Daten, immer mehr Daten

Anfang letzter Woche tauchten in den Medien die ersten Meldungen auf, dass eine zu dem Zeitpunt unbekannte Person der Verbraucherzentrale Schleswig-Holsteins eine CD mit 17.000 Datensätzen hat zukommen lassen. Die Daten sollen ursprünglich von der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) stammen und von Betrügern dazu verwendet worden sein um unerlaubt von vielen Konten Geld per Lastschrift abzubuchen. Seit dem sind immer wieder Meldungen durch die Medien gegangen, dass neue Datensätze aufgetraucht sein sollen. Heute gab der Bundesverband der Verbraucherzentralen bekannt, dass er im Internet für gerade einmal 850 Euro Datenträger mit 6 Millionen Datensätzen von Bürgern erstanden habe. 4 Millionen davon sollen auch Bankverbindungen enthalten. Die Daten sollen aus den unterschiedlichen Bereichen stammen, zum Beispiel von Lotteriegesellschaften, Mobilfunkunternehmen oder karritativen Spendensammlern.

Als Reaktion auf diese Vorkommnisse fordern Datenschützer eine Verschärfung des Datenschutzgesetzes. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz verlangte eine aktive Einwilligungsregelung: “Daten dürfen für Werbezwecke nur verwendet werden, wenn der Betroffene ausdrücklich eingewilligt hat.

Solche und ähnliche Forderungen sind sicherlich sehr sinnvoll – oder erscheinen es zumindest, denn hier gibt es zwei Schwachstellen. Zum einen muss das Einhalten der gesetzlichen Regelungen von irgendwem überwacht werden, wozu den Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder das Personal fehlt, und zum anderen bringen die besten Gesetze nichts wenn viele Menschen freiwillig und bewusst ihre Daten preisgeben.

Viele Menschen geben nur allzugerne ihre Daten preis sobald man ihnen dadurch einen Vorteil verspricht. Die Vorteile können von ganz unterschiedlicher Natur sein und kommen von allen Seiten. Nicht nur von der Wirtschaft sondern auch vom Staat selber. In der Wirtschaft sind es zum Beispiel Bonusprogramme wie die Payback-Karte oder ähnliche Kundenkarten durch die viele Daten preis gegeben werden. Die Unternehmen locken hier beispielsweise mit Vergünstigungen oder Vorteilen, die man durch den Einsatz der Kundenkarten erlangen kann. Die Teilnahme an allen diesen Programmen ist jedoch freiwillig, keiner wird dazu gezwungen. Doch auch vom Staat kommen solche Angebote. Er bietet uns zum Preis von persönlichen Daten und teilwiese Einschränkungen unserer Freiheiten Sicherheit. Sicherheit vor Terroranschlägen und anderen schweren Verbrechen. Der Unterschied zur Wirtschaft ist hier jedoch, dass sich niemand entscheiden kann ob er das Angebot annimmt oder nicht, hier muss es jeder annehmen. Hinzu kommt, dass der Staat noch nichteinmal garantieren kann sein Versprechen von mehr Sicherheit einhalten zu können.

Wir sollten immer sehr gut aufpassen wem wir unsere Daten anvertrauen und was mit diesen geschehen soll. Auch sollte man kritisch hinterfragen ob es überhaupt nötig ist diese Daten zu erheben oder ob es nicht auch anders geht. Kommt man zu dem Schluss, dass es auch anders geht, dann ist Vorsicht angesagt.  Niemand erhebt Daten ohne Grund, denn Datenerhebung ist mit Aufwand und Kosten verbunden, wenn sich das – zumindest in der Wirtschaft – nicht refinanzieren lässt, dann würde es nicht gemacht werden.

Bei staatlicher Datenerhebung sieht es ein bisschen anders aus, zwar sind hier genauso Kosten und Aufwand vorhanden aber eine gänzlich andere Motivation. Poitiker die die Gesetze verabschieden, welche dazu führen, dass immer mehr unserer Daten erhoben werden sind davon überzeugt damit gutes zu tun, uns beispielsweise vor Terroranschlägen zu schützen. Das Problem hierbei ist jedoch, dass diese Polotiker zum einen glauben, dass alleine dieses Ziel sehr viel rechtfertigt, auch Sachen die teilweise nicht mit unserer Verfassung – unseren Grundrechten – vereinbar sind. Zum anderen sehen sie die Risiken nicht, oder wollen sie nicht sehen. Wo Daten erhoben und gespeichert werden entstehen Begehrlichkeiten. Von diesen Begehrlichkeiten sind Daten die der Staat erhebt nicht ausgenommen.

Die einen mögen eher den Staat mit seiner Datensammelwut als böse betrachten, die anderen lieber die Wirtschaft, und einige vielleicht sogar beide. Wer auch immer der böse ist, fakt ist er hat unsere Daten, Daten die wir mal freiwillig hergegeben haben und mal unfreiwillig. Das wie spielt aber ab einem gewissen Zeitpunkt keine Rolle mehr. Der Zeitpunkt ist der an dem der GAU stattfindet. Wenn wir diesen GAU verhindern wollen, dann müssen wir darauf achten, dass wir und auch andere nicht zu sorglos mit unseren persönlichen Daten umgehen. Für uns mögen sie vielleicht nicht sonderlich wertvoll erscheinen, für andere jedoch vielleicht schon.

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2 Responses to Daten, immer mehr Daten

  1. Pingback: Von Datenklau, Trickbetrug und Überwachung

  2. SaschaP says:

    Naja, das Problem ist doch: Selbst wenn man die Datenverkäufe verbieten und selbst wenn sich alle seriösen Firmen sogar an das Gesetz halten würden, hätten wir immer noch eine riesige Grauzone von Firmen, die für das schnelle Geld mal § zu $ werden lassen.

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