Wenn es dem Willen und den Wünschen der Teilnehmer des 11. europäischen Polizeikongresses geht müsste der Berufswunsch von vielen (Fach-)Hochschulabsolventen der Fachrichtung Informatik Polizist sein. Nach Ansicht von Klaus Jansen vom Bund der deutscher Kriminalbeamter benötigt die Polizei akut circa 4000 Internetfahnder um den Anforderungen in der Verbrechens- und Kriminalitätsbekämpfung im Internet gewachsen zu sein.
Dass die Polizeibehörden händeringend nach gut ausgebildeten Fachkräften im Bereich der Informatik suchen ist verständlich, schließlich hat mittlerweile fast jeder – also auch Kriminelle – einen PC, der nach der Beschlagnahmung ausgewertet werden muss und auch im Internet geschehen immer mehr Straftaten welche verfolgt werden müssen. Aber warum werden die Stellen nicht Besetzt? Ist kein Geld dafür vorhanden? Fehlen die Bewerber?
Was das (nicht) vorhandene Geld betrifft, dazu kann ich mich nicht äußern, zu den Bewerbern schon. Ich studiere selber zur Zeit Informatik und werde wohl – wenn alles so läuft wie es denn soll – in circa 1,5 Jahren mein Studium beendet haben und mich dann auch auf Job-Suche begeben müssen. Ein theoretisch möglicher Arbeitgeber ist da sicherlich auch Vater Staat beziehungsweise eben die Polizei oder auch ein Geheimdienst. Aber auch nur theoretisch. Praktisch würde der Staat in Form von Polizei und/ oder Geheimdienst nicht in Frage kommen.
Warum? Nun, das lässt sich relativ einfach erklären: Durch die in den letzten Jahren und ganz besonders Monaten verschärften Sicherheitsgesetze bekommen die Ermittlungsbehörden immer mehr Befugnisse erteilt oder sollen diese – so es denn nach dem Willen einiger Politiker geht – in naher Zukunft bekommen. Diese Gesetzte sind meiner Ansicht nach alles andere als verfassungskonform, aber im Dienste des Staates müsste ich trotzdem nach diesen handeln.
Ein weiterer Punkt ist, dass ich mich, unter anderem aus privatem Interesse, mit dem Themenbereich der IT-Security beschäftige. Das Wissen das man dabei zwangsläufig im Laufe der Zeit ansammelt kann man zum einen dafür verwenden um viel gutes und nützliches zu tun, aber man kann damit auch sehr viel Schaden anrichten. Ich persönlich kann es für mich nicht verantworten dieses Wissen einem Staat zur Verfügung zu stellen, und schon gar keinem der zur Zeit Plant seine Bürger mit immer neuen Methoden immer mehr zu überwachen und in ihren Freiheiten einzuschränken (VDS, Online-Durchsuchung). Auch für diese Maßnahmen werden Informatiker benötig, sei es nun zur Inbetriebnahme, Wartung oder Bedienung, ich möchte an solchen Maßnahmen in keinster Weise beteiligt sein.
Sicher, keine Frage es gibt auch genug andere Felder in denen die Polizei fähige Informatiker braucht. Zum Beispiel im Bereich der Bekämpfung von Kinderpornographie, Kreditkartenbetrug, Verbreitung von Schadsoftware, etc. die nicht wirklich etwas mit der großflächigen Überwachung (fast) aller Bundesbürger zu tun hat. Zumindest in den meisten Fällen, ich erinnere an die “Operation Mikado” bei der illegaler weise Rasterfahndung betrieben wurde um die Nutzer von Seiten welche Kinderpornographie verbreitet haben zu ermitteln.
Für einige Sachen würde ich mein Wissen den Ermittlungsbehörden gerne zur Verfügung stellen, aber definitiv nicht uneingeschränkt in Form eines festen Arbeitsverhältnisses. Als externer Berater, so dass ich selber entscheiden kann ob ich mein Wissen für die Sache hergebe, gerne. Denn so kann ich am ehesten garantieren, dass dieses Wissen nicht zweckentfremdet wird. 100%ig sicherlich auch hier nicht, aber wesentlich besser.
Die Bezahlung spielt sicherlich auch eine Rolle, wenn auch nicht unbedingt die größte. In der freien Wirtschaft kann man wesentlich mehr verdienen als im Dienste des Staates und auch die Aufstiegschancen sind hier wesentlich besser. Klar, dafür ist hier auch das Risiko größer den Job zu verlieren, aber was wäre das Leben schon ohne Risiken, irgendwie langweilig, oder?
Wenn die Polizei also mehr gut ausgebildete Informatiker benötigt, dann sollten die zuständigen Innenminister vielleicht mal einige Punkte überdenken und verbessern, dann klappts vielleicht auch besser mit dem Nachwuchs.
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So nachvollziebar und notwendig das Begehren der Polizei auch ist, Informatiker für den Beruf des Polizisten zu gewinnen, ist dieses Vorhaben meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt.
Die Industrie leidet an Fachkräftemangel und insbesondere mangelt es an Ingenieuren und Informatikern. Der demographische Wandel in Deutschland wird dieses Nachwuchsproblem noch massiv verstärken. Des Weiteren zählt das Informatikstudium zu den schwersten Studiengängen überhaupt, was dazu führt, dass sich nur ein geringer Prozentsatz der Studenten für ein Informatikstudium entscheidet. Graduierte Informatiker und Elektrotechniker (aus Deutschland) werden zukünftig elitäre “Mangelware” werden.
Der öffentliche Dienst stellt i.d.R. Informatiker nicht mehr als “Beamte besonderer Fachrichtiung” ein, sondern als Angestellte mit Bezahlung nach TöV. Werden diese in Ausnahmefällen dennoch als Beamte eingestellt, so i.d.R. im gehobenen und nicht im höheren Dienst. Nachdem in vielen Bundesländern die Beamtengehälter massiv zusammengestrichen worden sind ist der gehobene technische Dienst nicht mehr attraktiv.
Mit einer Bezahlung nach dem TöV steht man sich keineswegs besser, ganz im Gegenteil.
Unter diesen Voraussetzungen will die Polizei 4000 Informatiker für sich gewinnen? Die Industrie bietet einfach mehr und der sichere Job ist kein Argument mehr, denn zukünftig wird die Industrie für Informatiker den roten Teppich auslegen. Unter diesen Voraussetzungen stellt der öffentliche Dienst keine Alternative für Informatiker da.
Schade für die Polizei