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Demo “Freiheit ist Sicherheit”: Einige Impressionen

by Markus Pachali on Nov.25, 2007, under Aktionen, Bundes-Trojaner, Grundrechte, Owl-Content, Politik, Privacy, Vorratsdatenspeicherung, innere Sicherheit, Überwachung

Heute Mittag versammelten sich in Köln Überwachungsgegner aus allen Bevölkerungsschichten in Köln um friedlich gegen die staatliche Überwachung durch Vorratsdatenspeicherung, Onlinedurchsuchung, biometrische Reisepässe, immer neue und immer größere Datenbanken zu demonstrieren. Aufgerufen zu der Demonstration hatte die Bürgerinitiative Freiheit ist Sicherheit und wurde dabei vom Chaos Computer Club, der Piratenpartei und dem AK Vorratsdatenspeicherung unterstützt.

Gestartet ist der Demonstrationszug um 12:30Uhr mit circa 300 Teilnehmern auf dem Albertus-Magnus-Platz und zog dann über die Zülpicher Strasse auf den Hohenstaufenring, weiter bis zum Rudolfplatz, dort in die Hahnenstrasse, am Nordende des Neumarkts in die Richmodstrasse. Der Strasse auf dem Berlich bis zum Ende folgend, dort dann rechts Richtung in die Zeughausstrasse zur Komödienstrasse und zum Bahnhofsvorplatz (Breslauer Platz). Dort war die Menge dann auf circa 500 Demonstranten angewachsen und erfüllte somit unsere Erwartungen. Wir hatten zwar auf mehr Teilnehmer gehofft, aber für eine Vorbereitungszeit von gerade einmal 3 Wochen ist denke ich auch das ein gutes Ergebnis, noch dazu wo dies unsere erste Demo war, aber sicherlich nicht die Letzte.

Nachdem die Demonstrationsteilnehmer anfangs noch relativ still durch die Straßen zogen änderte sich dies im Laufe der Zeit als einige die Initiative ergriffen und anfingen Sprüche wie “Stopt den Überwachungsstaat!”, “Freiheit ist Sicherheit!”, “Schäuble raus!” und “Für die Freiheit für das Leben Schäuble aus dem Amt entheben!” in die dann auch die anderen Teilnehmer schnell einstimmten.

Die Demonstration verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Die Polizisten die vor Ort waren und die Demonstration begleitet haben, mussten sich nur um die Verkehrsregelung kümmern und darum, dass kein übereifriger Demonstrant in den Gegenverkehr oder vor eine Straßenbahn gerät. An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön an die Polizei für die gute Zusammenarbeit vor und während der Demo, ich hoffe wir können diese Zusammenarbeit schon bald auf diesem Niveau fortsetzen.

Nachdem die Demonstration auf dem Bahnhofsvorplatz angekommen war gab es dort neben einem Infostand der Piratenpartei, an dem man sich auch an der Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung beteiligen konnte, auch einige Redebeiträge. Es sprachen Christoph Brüning von den Freiheitsrednern, Rebecca Breu von der Piratenpartei und Annika Kremer von der Bürgerinitiative “Freiheit ist Sicherheit“.

“Natürlich leben wir in einem sicheren Land. Aber was sagen die Politiker? Wir müssen unsere FreiheitChristoph Brüning einschränken um Sicherheit zu bekommen. Liebe Politiker, ihr könnt euch und uns auch gerne diese Lüge weiter erzählen. Die Wahrheit ist tagtäglich in der Welt zu beobachten. Und eure Märchen werden auch nicht wahrer, wenn ihr sie häufiger erzählt” sagte Christph Brüning. “Ob schuldig oder nicht, spielt keine Rolle. Ob verdächtig oder nicht ebensowenig. Die Vorratsdatenspeicherung wird jeden erfassen. Die Menschen waren, sind und werden in solchen System weder frei, noch sicher sein.” Brüning kritisierte in seiner Rede auch Bundesjustizministerin Brigitte Zyries, da ihr Ministerium das Ergebnis einer vom Bundestag in Auftrag gegebenen unabhängige Studie zur Vorratsdatenspeicherung und deren Zweckmäßigkeit unter Verschluss hält. “Wir können uns also gar nicht sicher sein, ob hier für oder gegen unsere Sicherheit gearbeitet wurde. [...] Die Sicherheit hätten wir gehabt, wenn wir die Freiheit hätten, in solche Dokumente Einsicht zu bekommen. Haben wir aber nicht.

Annika KremerFreiheit und Sicherheit bedingen sich gegenseitig; man kann nicht eines ohne das andere haben. Wer nicht in Freiheit lebt, wird niemals wirklich sicher sein können- sicher, dass er seine Meinung sagen darf, ohne Repressionen zu befürchten, sicher vor Willkür und Verfolgung, sicher vor genau jenen Dingen, die unser Rechtsstaat aus gutem Grund ablehnt. Die Freiheit gehört zu den höchsten Werten, die wir haben, und in einem Staat, in dem es sie nicht gibt, wollte keiner von uns leben“, so Annika Kremer, und weiter “In einem Land, in dem ein Wolfgang Schäuble sagen kann, das Grundgesetz müsse “an die aktuelle Situation angepasst werden” und damit eine Einschränkung des Grundgesetzes meint, in einem Land, in dem eine Brigitte Zypries Justizministerin sein kann, obwohl sie offensichtlich noch nicht einmal weiß, was informationelle Selbstbestimmung eigentlich genau ist, und in dem die Regierungskoalition fast geschlossen für eine Maßnahme wie die Vorratsdatenspeicherung stimmt- in einem solchen Land ist es an der Zeit, dass die Menschen aufwachen und auf die Straße gehen, um ihrer Regierung zu zeigen, dass all das nicht in ihrem Namen geschieht!

Ich könnte ich jetzt die ganze Rede zitieren, da diese so gut ist, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen und wo aufhören soll, von daher lest sie am besten einfach selber.

Schließen möchte ich mit dem kürzesten Redebeitrag den es gab, da dieser denke ich mehr sagt als viele Worte und auch keinen weiteren Kommentar benötigt: “Ich habe vor 18 Jahren in Leipzig für meine Freiheit demonstriert und ich finde es scheiße, dass ich schon wieder in der Kälte stehen muss, um für diese Rechte zu kämpfen!

Weitere Berichte:

FreiheIT-Blog: Freiheit ist Sicherheit: Demo-Impressionen

heise.de: Demo gegen Überwachungsmaßnahmen in Köln

Blogger for Freedom: Freiheit ist Sicherheit – Demonstration in Köln

Tom’s Wochenschau: Freiheit ist Sicherheit: Demo gegen den Überwachungswahnsinn in Köln

Denny Schierz: Demo Fazit

 

 


6 Trackbacks / Pingbacks for this entry

  • Freiheit ist Sicherheit: Demo-Impressionen « FreiheIT-Blog

    [...] hier bei heise. Außerdem möchte ich euch die Erfahrungsberichte meiner beiden Mit-Organisatoren Markus und Denny ans Herz [...]

  • RA-Blog

    [...] Geschrieben von Thomas Klotz in Allgemein Montag, 26. November 2007 Ich war am Samstag in Köln demonstrieren. Gegen Online-Durchsuchung, Vorratsdatenspeicherung, Anti-Terror-Datei, Zentrale Steuerdatei, Einheitliche Steuernummer, Automatische Kontenabfrage, Biometrische Ausweise, Fluggastdatenspeicherung, Lauschangriff, Maut-Daten, Videoüberwachung, Gesundheitskarte, kurz: Gegen den Schnüffelstaat. Nach Angaben der Polizei haben bei der “Freiheit ist Sicherheit”-Demo etwa 450 Leute mitgemacht. Meiner Meinung nach waren es mindestens 500. Zu wenig dafür, dass es alle betrifft. Man muss aber natürlich berücksichtigen, dass von den gefühlt am stärksten Betroffenen ein großer Teil Informatiker und Juristen sind. Wie jeder weiß, sind da naturgemäß die Frischluftallergiker deutlich überrepräsentiert. Besonders gelungen war der Alleinunterhalter am Megaphon, bis auf die Tatsache, dass “Stoppt die informationelle Selbstbestimmung” wohl nicht ganz das war, was er sagen wollte, aber das kann ja mal passieren. “Im Überwachungsstaat gibt es keine guten Gefühle” fand ich auch ganz großartig. Darüber hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Aber: Wer noch nie auf einer Demo war und in Zukunft mal an einer teilnehmen möchte, sollte sich unbedingt merken, dass ein paar Meter Abstand zu dem Typen mit dem Megaphon angeraten sind. Ansonsten könnten Ohrstöpsel nützlich sein. Mir als Erstdemonstranten ist übrigens die Polizei angenehm aufgefallen. Es gab mehrfach Durchsagen “Bitte halten Sie an, bis die Polizeifahrzeuge durch sind”. Davon fühlte ich mich irgendwie angesprochen, bis ich mal kapiert hatte, dass die Polizei die Unbeteiligten angehalten hat, damit die Demo ungehindert durch die Stadt laufen konnte. Ziemlich beeindruckend war das letzte Stück an der Domplatte vorbei, wo wirklich viele Touristen standen, die uns fleißig fotografiert und gefilmt haben, aber wahrscheinlich nicht die geringste Ahnung hatten, worum es überhaupt ging. Schöne Grüße nach Asien, falls das nochmal jemand googelt! Der beste Satz der gesamten Veranstaltung kam von einem Demonstranten namens Michael auf der Abschlusskundgebung: “Ich bin vor 18 Jahren in Leipzig mit auf die Straße gegangen. Mich kotzt es einfach an, dass ich hier schon wieder in der Kälte stehen muss!” Zum Schluss noch ein paar Links auf Berichte in anderen Blogs: Markus Pachali (FiS) im Open Mind Blog: Demo “Freiheit ist Sicherheit”: Einige Impressionen [...]

  • www.verstecken.net

    Freiheit ist Sicherheit 24.11.07 in Köln…

    Hier ist ein kurzer Beitrag des WDR. 500 Menschen sollen an der Demo beteiligt gewesen sein. Erschreckend wenig, wenn ihr mich fragt.
    Es fiel der Satz “Zu der Demonstration hatte eine Bürgerrechtsorganisation aufgerufen, die in der Speiche…

  • links for 2007-11-26 at Florian Altherr

    [...] Open Mind Blog » Blog Archive » Demo “Freiheit ist Sicherheit”: Einige Impressionen [...]

  • Big Brother is watching you » Wie in der DDR

    [...] Demo “Freiheit ist Sicherheit”: Einige Impressionen [...]

  • Blogging reloaded » Demo Fazit

    [...] Markus hat auch was geschrieben. [...]

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